Wenn am 15. März 4,7 Millionen Wahlberechtigte über die politische Zukunft der hessischen Kommunen entscheiden dürfen, stehen darunter gut 260.000 junge Menschen als Erstwähler vor ihrer Kommunalwahl-Premiere. Die dabei abzugebende Stimme will wohl überlegt sein. Grund genug für die Schülervertretung des Gymnasiums Michelstadt, am 03. März eine Podiumsdiskussion zu organisieren und Spitzenvertreterinnen und -vertretern der zur Kreistagswahl antretenden Parteien und Wählergemeinschaften auf den Zahn zu fühlen.
Ins Bürgerhaus nach Höchst eingeladen waren dafür Repräsentantinnen und Repräsentanten aller derzeit im Kreistag vertretenen Parteien. Konkret folgten der Einladung Kevin Schmauß (CDU), Karsten Bletzer (AfD), Rekha Krings (SPD), Judith Schreck (Grüne), Moritz Promny (FDP), Sarah Lohkamp (Linke) und Jens Fröhlich (ÜWG). Ziel der Diskussion war es, Bürgerinnen, Bürgern und insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich über Positionen, Schwerpunkte und Ziele der Parteien für den Odenwaldkreis zu informieren. Im Mittelpunkt der von den beiden stellvertretenden Schulsprechern, Henry Pilger und Leonard Luca Bock, überzeugend moderierten Diskussion standen aktuelle kommunalpolitische Themen – darunter Bildung, Infrastruktur und Mobilität, Gesundheit sowie das gesellschaftliche Miteinander im Landkreis. Im Anschluss sammelte Schülersprecherin Leni Friedl Fragen aus dem Publikum an die Diskussionsteilnehmer.
Im Zusammenspiel mit den Fragen der gut vorbereiteten und souverän lenkenden Moderatoren konnten einige Erkenntnisse aus dem Abend gezogen werden. So war es beispielsweise einer konkreten Nachfrage zu verdanken, dass Karsten Bletzer eingestehen musste, dass die AfD zwölf Tage vor der Kommunalwahl noch kein Wahlprogramm erarbeitet und veröffentlich hat. Die Ankündigung, ein solches Programm zeitnah nachzureichen, vermochte es dabei nicht, die aufkommende Verwunderung über das bisherige Fehlen zu zerstreuen. Aber auch dort, wo es Wahlprogramme und klare programmatische Aussagen gab, wurde deutlich, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen. So waren sich die meisten Anwesenden einig, dass zentrale Themen nicht auf Kreisebene entschieden werden können und es für elementare Aufgaben der Daseinsvorsorge einer besseren finanziellen Ausstattung des Kreises und der Kommunen bedürfte. Deutliche Differenzen traten hingegen bei der Frage nach dem Umgang mit sogenannten Arbeitsverweigerern. Auch die Art und der Umfang der Windkraftnutzung auf Odenwälder Flächen sorgte für Diskussionsstoff. Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussion sich dabei streng nach Geschlechtern getrennt auf der Bühne positionierten, verkam darüber zur amüsanten Nebensächlichkeit.
Insgesamt vermochte es die Diskussion, einige Positionen und Konfliktlinien ebenso wie inhaltliche Leerstellen der einzelnen Parteien und ihrer Vertreterinnen und Vertreter aufzuzeigen. Wünschenswert wäre einzig gewesen, wenn mehr insbesondere junge Wähler den Weg zur Veranstaltung „ihrer“ SV gefunden hätten.
Das Odenwälder Echo berichtete über die Veranstaltung in seiner Ausgabe v. 07.03.2026.