„Du verdienst den Tod!“ – solchen und ähnlichen Nachrichten sah sich Lijana Kaggwa im Zuge der Ausstrahlung ihrer Teilnahme an der Model-Castingshow Germany’s Next Topmodel ausgesetzt. Nach dem aufsehenerregenden Ausstieg im live übertragenen Staffelfinale 2020 hat Kaggwa ihre Erfahrungen im Buch „Du verdienst den Tod!“ verarbeitet und engagiert sich nun, um für die Gefahren von Hate Speech und Cybermobbing zu sensibilisieren. In diesem Zusammenhang besuchte sie am 04.02.2026 das Gymnasium Michelstadt, um ihre Botschaft dort den Schülerinnen und Schülern der siebten Jahrgangsstufe zu vermitteln.
Eigentlich begann Lijana Kaggwas Reise in die Welt der Topmodels vielversprechend: Rund um die Welt fanden exotische Shootings statt, Runde für Runde konnte sie sich durchsetzen und erreichte schließlich das große Finale. In diesem Finale erklärte sie schließlich – für viele überraschend – vor einem Millionenpublikum ihren Ausstieg aus der Show. Dieser Schritt wird erst dann nachvollziehbar, wenn man begreift, dass die Finalshow im Gegensatz zur restlichen Staffel live ausgestrahlt wird. Konkret bedeutete das für Kaggwa, dass sie über Monate hinweg drehte und dabei subjektiv das Gefühl hatte, eine gute Zeit zu erleben. Während sie von der Außenwelt, der Öffentlichkeit und teilweise ihrer Familie abgeschnitten war, setzte nun die Mechanik des sogenannten story tellings ein und ProSieben machte aus dem stundenlangen Videomaterial möglichst massenkompatibles Fernsehen: Füße wurden vor dem Laufen in Highheels mit Creme eingerieben, um Stürze und damit Gesprächsstoff zu provozieren, Gespräche und Reaktionen aus dem Kontext gerissen und neu zusammengeschnitten und einzelne Kandidatinnen in bestimmte Rollen gedrängt; für Kaggwa war dabei die Rolle der egozentrischen Zicke vorgesehen. Nach der Ausstrahlung der einzelnen Sendungen erlebte sie daher einen regelrechten Shitstorm, der sich von üblen Beleidigungen bis hin zu konkreten Morddrohungen und dem Hinweis, man kenne sowohl Wohnadresse als auch die üblichen Joggingstrecken, erstreckte. Schließlich unter Polizeischutz gestellt, beschloss Kaggwa, diesem Hass mit Aufklärungsarbeit entgegenzutreten, die Show zu verlassen und insbesondere junge Menschen auf die Gefahren von Hass hinzuweisen. Dieses Vorhaben führte sie seitdem häufig an Schulen.
Am Gymnasium Michelstadt ging es Lijana Kaggwa nicht darum, ihre Geschichte loszuwerden. Vielmehr war es das Ziel der vom multiprofessionellen Präventionsteam veranstalteten und von der Sparkassenstiftung geförderten Veranstaltung, aus den Erfahrungen des prominenten Gastes zu lernen. Ein großer Schwerpunkt lag daher im Vortrag genau wie in der anschließenden Fragerunde auf der Frage, welche Stellen sowohl an der Schule als auch im näheren Umkreis helfen können, bevor eine Eskalation des Hasses, wie sie am Fall Kaggwas deutlich wurde, einsetzt. In diesem Zusammenhang stellte sich auch die mit den Schulen kooperierende Schutzfrau vor Ort, Carina Oberle, vor. Gemeinsam war man sich schließlich einig, dass dem Hass nicht das letzte Wort überlassen werden dürfe und dass stattdessen das Motto der Veranstaltung gelten müsse: Love always wins!